Verstehen Sie Europa?
[2. Juni 2009]
“Demokratie lebt vom informierten Bürger“, erklärt Thomas Holzinger, Geschäftsführer der Webworks GmbH. Die wahlwerbenden Gruppen zur EU-Wahl 09 am 7. Juni 2009 machen es Wählern jedenfalls schwer. Die Programme verlangen vom Leser hohes sprachliches Niveau. Einzig der rechte Rand spricht auf Augenhöhe mit dem Wahlvolk.
„Inhaltlich hat das rechte Spektrum mit Europa wenig am Hut“, so Holzinger weiter. „Die Sprache erreicht die Menschen aber leichter als jene der anderen Parteien“. Generell gilt: Wer sich über Grundsätze der Parteien zur EU-Wahl informieren will, braucht Geduld und Konzentration. Einfache Sätze und klare Sprache fehlen über weite Strecken. Das geht aus einer vergleichenden Untersuchung der Universität Hohenheim, des Communication Lab und Webworks hervor. Sie erhob die sprachliche Komplexität der EU-Wahlprogramme der österreichischen und deutschen Parteien.
Der rechte Rand macht sich verständlich
In Österreich formulieren BZÖ und FPÖ am einfachsten. Menschen mit Pflichtschulbildung verstehen die meisten der Inhalte ohne Probleme. Vergleichsweise gute Werte erreicht auch die Liste Martin. Dahinter liegt die Latte für den Leser höher. Grüne, ÖVP und SPÖ verlangen von der interessierten Öffentlichkeit nahezu Matura-Niveau. Weit abgeschlagen sind KPÖ und die Jungen Liberalen. Beide Parteien setzen akademische Bildung voraus.
„Die politische Entscheidung wird dadurch unnötig erschwert“, meint Martin Sturmer, Geschäftsführer von Webworks. „Dabei hält sich der Aufwand für publikumsgerechte Formulierungen in Grenzen. Um den Gegenwert eines einzigen 16-Bogen-Plakats ließen sich die Programme auf ein verständliches Niveau bringen.” Inhaltlich auffällig: Je unangenehmer das Thema, desto schlechter die Verständlichkeit. Vor allem FPÖ und BZÖ beackern zahlreiche Felder, die gar nichts mit der EU zu tun haben.
Österreich kommuniziert einfacher als Deutschland
Österreichs Parteien formulieren verständlicher als die deutschen Gruppierungen. „Die teilweise schwierige Sprache korrespondiert mit dichteren Inhalten“, führt der Verständlichkeits-Forscher Anikar M. Haseloff von der Universität Hohenheim aus. „In Österreich ist die Auseinandersetzung mit Europa generell auf niedrigerem Niveau.”
Das längste österreichische EU-Programm hat kaum mehr Inhalt als das kürzeste in Deutschland. Haseloff ortet in allen Programmen Verstöße gegen die Verständlichkeit. Fremdwörter, komplexe Satzstellungen und hohe inhaltliche Dichte prägen die Papiere der Wahlwerber. Die Auswertung der Programme fußt auf einer Software-Analyse samt anschließender Experten-Kontrolle.
TextLab – das Instrument für bessere Verständlichkeit
Basis für die Untersuchung ist die Software TextLab. Die Software entdeckt Fehler in Bezug auf Satzlängen, Wortlängen und Fremdwörter. TextLab gibt für jeden analysierten Text exakte Ergebnisse aus. „Wir erreichen mit der Software aussagekräftige Ergebnisse über die Qualität von Texten“, ist ComLab-Geschäftsführer Oliver Haug überzeugt.
Das Unternehmen entwickelt den Sprach-Kontrollor laufend weiter. Zudem können Institutionen eigene Wording-Vorgaben in die Analyse einschließen. „TextLab ist ein Schlüssel für verständliche Kommunikation“, so Haug. Das Software-Tool wird ab sofort von Webworks exklusiv für Österreich vertrieben.
Rückfragehinweis
Dr. Martin Sturmer
Webworks GmbH
T +43 669 11353399
E martin.sturmer@webworks.at


